Frankreich,  Krimi,  Roman

Die Alte von Hannelore Cayre – Übersetzerin: Iris Konopik

Die verwitwete Patience Portefeux ist Mitte Fünfzig und arbeitet als Arabischübersetzerin für die Polizei und das Gericht. Sie hat zwei Töchter, die trotz Studium in schlechtbezahlten Jobs arbeiten, eine Mutter im Pflegeheim und Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend, die von Wohlstand geprägt waren. Auch in ihrer Ehe war sie wirtschaftlich gut gestellt, womit es allerdings nach dem frühen Tod ihres Mannes vorbei war. Seit dieser Zeit arbeitet sie, erst um sich und ihre Töchter zu ernähren und nun, um das teure Pflegeheim der Mutter zu bezahlen. Mehr und mehr verliert sie sich in den Geschichten der Leute, deren abgehörten Telefongespräche sie übersetzt und mit einigen sympathisiert sie sehr. Dann setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, die dazu führen, dass Patience Portefeux zu der Alten wird. Eine neue Größe im Haschischhandel.

Die Alte, La Daronne, ist in Frankreich mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden und wird gerade mit Isabelle Huppert verfilmt.

Wieder einmal hat der Ariadne Verlag ein gutes Händchen für die besonderen Krimistoffe bewiesen. Es ist kein „wer war es“, sondern eher ein „wie hat sie es gemacht und wird sie damit durchkommen?“ Hannelore Cayre zeichnet eine Sozialstudie des aktuellen Frankreichs, den dortigen Alltagsrassismus und den Ausverkauf der Sozialsysteme, eine Entwicklung, die sich nicht so sehr von der in Deutschland unterscheidet. Ihre Sprache ist klar und stellenweise drastisch, ihre Protagonistin, keine Heldin im klassischen Sinne, nur eine Frau, die nicht bereit ist, sich damit abzufinden ein Alter in Armut zu verbringen, weil die Umstände in denen sie lebt, nun einmal sind, wie sie sind und so eine Gelegenheit ergreift, um diese für sich zu ändern.

Sehr empfehlenswert.

Autorin und Literaturrezensentin, meine weiteren Interessen sind weit gestreut, unter anderem fotografiere ist mit Begeisterung und bin eine von diesen Ökotanten, die kein Smartphone haben, koche bio, habe kein Auto, ganz zu schweigen davon, dass ich schwer Femnismus habe.

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