Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason – Übersetzer Karl-Ludwig Wetzel

Herbjörg Maria ist 80 und lebt in einer Garage, mit ihrem Laptop und einer Handgranate, die sie seit fast 70 Jahren mit sich herumschleppt. Sie weiß, dass es bald zu Ende gehen wird mit ihr und nutzt ihren Laptop, um letzte Rechnungen zu begleichen und sich damit zu amüsieren über diverse Facebookaccounts, weltweit Männern den Kopf zu verdrehen, in dem sie ihnen vormacht jung, schön, sexy und bereit zu sexuellen Abenteuern zu sein. Ach ja, und sie macht in weiser Voraussicht schon mal einen Termin im Krematorium. Herra, wie sie genannt wird hat viel erlebt, ihr Vater, der in Lübeck studierte, wurde zum Nazi und zog für Hitler in den Krieg, dessen Vater wurde zum ersten Präsidenten Islands. Herra wird inzwischen herumgereicht und schließlich von beiden Eltern in Stich gelassen, womit ihre Odyssee beginnt. Alleine schlägt sie sich über Jahre durch Kriegsdeutschland und versucht einen Weg nach Island zu finden, was nicht so leicht möglich ist, da Island von den Engländern besetzt ist. Liest man den Klappentext, erwartet man vielleicht ein skurilles, schwarzhumoriges Leseerlebnis, was man bekommt ist ein Stück Zeitgeschichte, eine Tour durch die Schrecken des Krieges und seinen Folgen. Hallgrímur hat seinen Roman als eine Art Erinnerungsjournal angelegt, dass zwischen Gegenwart und Vergangenheit springt. Neben Herras persönlichem Schicksal, wird die Geschichte Islands gestreift und dessen Weg in die Unabhängigkeit. Fazit: Toll! Unbedingt lesen.